Ich danke für all die Jahre hier
Stefan Johansson verlässt Dresden und schreibt einen Brief
Der schwedische Musiker Stefan Johansson lebte 15 Jahre in Dresden und scharte eine große Fangemeinde um sich. Als Solokünstler und mit dem Trio Strömkarlen war er schnell fester Bestandteil der hiesigen Musikszene und tourte mit Erfolg durch Deutschland. Nun geht er samt Familie in seine Heimat zurück, nicht ohne sich von den Dresdnern per Brief zu verabschieden:
Ein Brief von Stefan Johansson an Dresden! 4.8.2016
2001 kam ich nach Dresden und relativ schnell fiel die Entscheidung zu bleiben. Wunderschöne Stadt, schöne Natur gleich um die Ecke. Damals war ich noch unterwegs in meinem „alten Beruf“ (Pfleger für behinderte und psychisch kranke Menschen) und hatte ein paar Schwierigkeiten, Arbeit zu finden.
Dann kam die Idee – Ich setzte mich hin an einem schönen, sonnigen Sommertag, an der Elbe, machte Straßenmusik mit einem Schild „Suche Arbeit – alles von Interesse“. Natürlich mit der Schweden-Fahne im Notenständer. Das Resultat war unglaublich und nach diesem Tag hatte ich nicht nur Geld im Koffer, sondern insgesamt drei Jobangebote. Schwedisch-Lehrer, Gästeführer für skandinavische Touristen und sogar einige Konzert-Angebote. Das war der Anfang und sehr schnell hatte sich was rumgesprochen, und ich war gerade in diesen drei Jobs gut unterwegs.
Die Musik kriegte aber mehr und mehr Platz und irgendwann gab es nur noch Zeit dafür. Es fing an in Pubs und Bars ... Das eine führte zum anderen und irgendwann waren es mehr größere Feste, Festivals und Konzerte.
Nach und nach überwog das Interesse für schwedische Musik und eigene Musik. Schwedische Musik habe ich damals mit Christina Lutter erprobt - „Strömkarlen“ wurde gegründet und mit der ersten CD ging es gleich auf Tour. Mit Christina und Guido Richarts (gleich danach dazu gekommen) zu arbeiten, war ein purer Glückstreffer und wir haben wahnsinnig viel erlebt während der ca. 400 Konzerte, die wir miteinander gespielt haben.
Es gibt natürlich einige Höhepunkte, aber „Musik zwischen den Welten“, die Konzertreihe von Andreas Grosse hier in Dresden war immer ein Fest und was ganz Besonderes. Außerdem ist es die beste Weltmusikreihe, die Deutschland zu bieten hat und es war für mich eine Ehre, dort auftreten zu dürfen. Einige Skandinavien-Tourneen haben wir hinter uns, und es war jedes Mal spannend zu sehen, wie meine Landsleute reagieren, auf unsere Art, mit der schwedischen Musik umzugehen. Durch die eigenen CDs „Finding Home“ und „The Door to the Unknown“ mit der dazugehörigen Fahrrad-Tour wurde ein „I-Pünktchen“ gesetzt und seitdem war ich (gefühlt) fast nur auf Tour.
Ich habe dem Dresdner Publikum viel zu verdanken! Ich habe immer Musik gemacht und die Musik hat mir auch quasi geholfen, um die Welt zu kommen. In Dresden aber konnte ich mich musikalisch entfalten und ich habe hier wahnsinnig viel gelernt und mich entwickelt. Sowohl musikalisch als auch menschlich.
Viele wissen schon, dass ich jetzt mit meiner Familie, meiner Frau Katharina und unseren Kinder Per und Jonas, zurück nach Schweden gehen. Eine Entscheidung, die lange gebraucht hat, und einiges Hin und Her ... Es ist nicht alles besser da oben, aber es ist deutlich ruhiger und stress- und druckfreier. Und das tut uns gut.
Die Angst vor Ausländern in Dresden und Sachsen tut mir im Herzen weh. Vor allem, weil wir so gut wie keine Ausländer hier sind. Wir können wahnsinnig viel voneinander lernen, aber dafür muss man erstmal offen sein ... und zwischen Angst haben und offen sein, ist es leider ein langer Weg, aber ich hoffe die Politik, und alle Dresdner werden da mitziehen und ich glaube, dann dauert es nicht lange, bis es auch wieder „wärmer“ wird im Tal der Ausländerlosen ...
Obwohl wir nach Nordschweden ziehen (Blåsmark – ein Dorf mit 300 Einwohnern), wollten wir aber die Welt nicht hinter uns lassen. Wir haben ein Gästehaus auf dem Grundstück und so kann „die Welt“ immer zu uns kommen.
Liebe Dresdner und Dresdnerinnen (und alle eventuell anderen) - Ich danke für all' die Jahre hier! Ich danke für all' den Support, in allen Bereichen, aber vor allem in der Musik!
Trevlig Sommar & see you down the road!
Stefan, Euer Schwede
www.stefan-johansson.de